March 2026

Pressetermin

Im Zuge der Proteste gegen die geplanten Kürzungen der Psychotherapie-Honorare zum 01.04.2026 haben die Fränkischen Nachrichten in unserer Praxis um eine Stellungnahme zu den Maßnahmen angefragt. Über dieses Engagement der Lokalpresse sind wir sehr erfreut und haben einem Interview zugestimmt.

Am heutigen Montag, den 30.03.2026 wird es einen Pressetermin geben, bei dem wir Gelegenheit haben, die Sicht der psychotherapeutischen Seite vorzutragen, damit in den nächsten Tagen in den Fränkischen Nachrichten darüber berichtet werden kann.

Wir hoffen, dass damit unseren Anliegen auf noch breiterer Front in die Öffentlichkeit getragen werden kann.

Gleichzeitig kündigt sich neues Ungemach an: Für den heutigen Tag ist die Bekanntgabe der ersten Ergebnisse der Expertenkommission des Gesundheitsministeriums geplant, die weitere Maßnahmen erarbeiten soll, um die Krankenkassen zu entlasten.

Notwendigkeitsbescheinigungen

In der jüngsten Zeit erreichten uns eine Reihe von Anfragen, bei denen es darum ging, dass teilweise verzweifelte Eltern für die bevorstehende Aufnahme in den Eltern-Kind-Bereich einer hiesigen Klinik um die Ausstellung einer entsprechenden Notwendigkeitsbescheinigung für sich selbst geben haben. Es sei ihnen so von Seiten der besagten Klinik mitgeteilt worden und sie seien aufgefordert worden, sich an Psychotherapeuten/innen oder Psychiater/innen zu wenden.

Eine solche Bescheinigung setzt einen bereits länger andauernden ambulanten Therapieprozess voraus, bei dem an einem bestimmten Punkt die Entscheidung getroffen wird, dass der ambulante Rahmen nicht mehr ausreichend für die Behandlung der vorliegenden Problematik ist. Diese Voraussetzungen ist in den genannten Fällen nicht gegeben. Es besteht darüber hinaus auch keine Möglichkeit, im Rahmen eines Sprechstundentermins die Notwendigkeit im in aller Regel sehr knappen Zeitrahmen abzuschätzen.

Darüber hinaus ist aus fachlicher Sicht mehr als fraglich, warum in einem solchen Fall die Kosten übernommen werden sollen, wenn zuvor noch nicht einmal eine ambulante Behandlung in Anspruch genommen wurde. Die alleinige Begründung, das Kind doch nicht alleine in die Klinik gehen lassen zu können, reicht unserer Erfahrung nach nicht aus.

Aus diesem Grund unser klares Statement:
Wir lassen uns auf diese Weise nicht zu Erfüllungsgehilfen dieser Klinik instrumentalisieren!

Wir bitten Sie daher, von solchen Anfragen Abstand zu nehmen.

Honorarkürzungen - die Zweite

Die Maßnahmen gegen die geplante Kürzung der Psychotherapie-Honorare um 4.5% zum 01.4.2026 nehmen Fahrt auf:
  • Die gestartete Online-Petition hat mittlerweile (Stand 23.03.26 - 9.25 Uhr) fast 457.000 Unterschriften sammeln können.
  • In den letzten Tagen fanden eine Reihe von Protestveranstaltungen in deutschen Großstädten statt, die auch die Aufmerksamkeit der Medien erreichen haben. So hat z.B. das WDR-Politmagazin Westpol der Thematik einen Beitrag in seiner Ausgabe vom 22.03.26 gewidmet.
  • Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat Klage gegen die geplante Honorarkürzung eingereicht.

In der Zwischenzeit versuchen etwa die Krankenkassen durch irreführende Informationen, die Maßnahme, die in erster Linie der Entlastung der Krankenkassen dienen soll, ein falsches Bild der Realität zu zeichnen. Bitte fallen Sie nicht auf diese Art der Falschinformation herein, die Ihnen etwa versucht weiszumachen, dass die PT-Honorare zuletzt bereits deutlich angehoben worden seien. Wahr ist vielmehr:
  • Psychotherapeuten/innen sind in Deutschland immer noch die am schlechtesten bezahlte Facharzt-Gruppe.
  • Die angesprochene zuletzt stattgehabte Steigerung der PT-Honorare in den letzten Jahren, insbesondere seit 2024, deckt nicht einmal den Betrag der entsprechenden Inflationsrate ab.
  • Die geplante Kürzung der PT-Honorare bedeutet de facto eine Rücknahme der Erhöhung der Orientierungswerte von 2024 und 2025 bei überproportional gestiegenen Lebenshaltungs- und Betriebskosten.

Die angedrohte Kürzung der PT-Honorare wird darüber hinaus kurz-, mittel- und längerfristig ernstzunehmende Folgen haben:
  • Junge Kollegen/innen, die sich noch im Studium befinden, werden sich fragen, ob angesichts dieser Zustände ein anderer Tätigkeitsbereich mit besserer Entlohnung (z.B. Arbeits-/Betriebs-/Organisationspsychologie) geeigneter für sie ist.
  • Ältere niedergelassene Kollegen/innen, die vorhatten ggf. noch über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus praktizieren zu wollen, werden sich dies angesichts der schlechteren Honorierung ebenfalls überlegen.
  • Als Kompromiss können Inhaber/innen von Kassensitzen bevorzugt Privatversicherte oder Selbstzahler behandeln. Das würde auch nicht dazu beitragen, die Grenzen der schon existenten Zwei-Klassen-Medizin abzubauen, sondern die Zustände nur noch weiter verschärfen.

Bedenken Sie abschließend auch noch folgende verquere Logik:
Im Jahr 2025 beruhte eine nicht unerhebliche Anzahl von Krankschreibungen auf psychischen Problematiken. Die Regierungsparteien sind sich einig, dass in Deutschland zu wenig gearbeitet wird. Ist es dann logisch, Betroffenen die psychotherapeutischen Möglichkeiten zu restringieren, mittel- bis längerfristig wieder ins Erwerbsleben einzusteigen?

Wir hoffen auch auf Ihre Unterstützung in dieser Sache!

Kürzung der PT-Honorare

Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mitteilte, hat der Erweiterte Bewertungsausschuss am vergangenen Mittwoch beschlossen, die Vergütung der psychotherapeutischen Leistungen zum 01.04.2026 um 4,5% abzusenken.

Quelle:
Nachrichtenmeldung auf der Seite der KBV

Übereinstimmend mit dem Vorsitzenden der KVB, Herrn Dr. Gassen, sehen wir dies als eine "fatale Entscheidung an, die zulasten der psychisch erkrankten Menschen gehe und zusätzlich die Psychotherapeuten massiv beeinträchtige". Die Kürzung betrifft so gut wie alle antragspflichtigen und antragsfreien psychotherapeutischen Leistungen inkl. der psychotherapeutische Sprechstunde oder der Akutbehandlung.

Berufsverbände wie die DGVT, in der wir organisiert sind, haben bereits
Protest sowie Widerstand gegen die Maßnahme angekündigt.

Wollen Sie diese Aktionen mit unterstützen, können Sie z.B. die bereits laufende
Online-Petition mit unterschreiben.
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